Interview with David Kirsch

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Read my interview with V.I.P. trainer David Kirsch from October 2013 in New York for LesMads.de

Es ist ein brühend heißer Tag im August. Ich befinde mich auf dem Dach des Tudor Place inNew York. Unter mir wuselt das Leben des Big Apple geschäftig vor sich hin, aber auch hier oben wird fleißig gearbeitet. Fitness Guru David Kirsch trainiert heute mal nicht mit Heidi Klum am Strand, sondern dreht bereits seit Stunden die neuen Cybertraining Videos fürMcFIT, die seit Dienstag in allen Studios mit Erlebnistraining in Deutschland laufen. Ich habe die einmalige Gelegenheit, den Menschen zu treffen, der seit 25 Jahren nicht nur ganz Hollywood in Form bringt, sondern die Inkarnation von einem „healthy way of living“ zu sein scheint. Als die Sonne im Zenit steht, plaudern wir im wehenden Stadtwind New Yorks über alles, was derzeit im Lifestyle der Menschen immer wichtiger wird: Sport, Ernährung, das eigene Wohlbefinden und wie man seinen inneren Schweinehund überwindet. Ein Interviewmit David Kirsch, der sonst so unnahbar wirkt, aber auch viel lachen kann und das Gespräch sogar als Kontaktbörse nutzt – aber lest selbst!


LM: Hallo David! Wie geht es dir denn heute? Du arbeitest immerhin schon seit Stunden an den neuen Work Out Videos für das Cybertraining bei McFIT und das alles in der prallen Hitze auf dem Dach eines New Yorker Hochhauses. 
DK: Mir geht es wirklich wunderbar, ich bin richtig aufgekratzt! Wir haben gerade den Ultimate New York Work Out Plan für die Frauen fertig gedreht und die Übungen sind wirklich anstrengend, da hast du Recht. Es ist ja heute auch sehr heiß und schwül und wir haben noch den ganzen Tag vor uns. Aber ich stehe hinter der Sache und dem, was ich tue. Daher bin ich immer mit vollem Herzen und Elan dabei.

LM: Gibt es eigentlich überhaupt noch ein Training, das anstrengend für dich ist? Du bist ja von Kopf bis zum kleinen Zeh vollkommen durchtrainiert, da muss dir doch alles wie ein Klacks vorkommen, oder?
DK (lacht): Ich bin leider nicht Superman und auch wirklich keine 22 Jahre mehr alt. Leider! Aber ich designe meine Workouts immer so, dass sie nicht einfach und für jeden eine Herausforderung sind. Das gilt dann auch für mich selbst. Somit ist keine sportliche Betätigung, der ich nachgehe, ein Kinderspiel. Ich fühle mich gut, wenn ich mit Muskelkater aufwache!

LM: Wirklich? Für die meisten ist Muskelkater doch genau der Grund, erstmal eine Woche nicht mehr ins Fitnessstudio zu gehen.
DK: Ich sehe das so: Wenn ich Muskelkater habe, zeigt das, dass mein Köper noch funktioniert und auch meine Muskeln noch funktionieren und belastbar sind. Ich möchte mich selbst ja auch weiter verbessern in meiner Fitness. Das soll auch die Leute inspirieren, mit denen ich trainiere. Wenn ich selbst mit den Wiederholungen einer Übung zu kämpfen habe, zeigt das den anderen Leuten ja auch, dass jeder Mensch manchmal an einem Workout zu kämpfen hat und dass es für keinen leicht ist – auch nicht für mich. Also können auch sie kämpfen und es schaffen, sogar die letzte Wiederholung durchzuziehen. Das ist die Idee hinter jedem Training, das ich gebe.

LM: Gibt es auch Tage, an denen du einfach keine Lust hast aufzustehen und zu trainieren? Du weißt schon, diese typischen Tage, an denen man sich einfach die Bettdecke über den Kopf ziehen möchte. Oder obwohl, vielleicht hat ein David Kirsch solche Tage ja nicht…
DK: Du wirst mich jetzt sicherlich nicht mögen, aber solche Tage habe ich wirklich nie. Das liegt aber auch daran, dass ich jeden Tag um 5 Uhr morgens aufstehe.

LM: Jeden Tag? Wirklich jeden Tag?
DK: Okay, am Wochenende stelle ich mir keinen Wecker. Aber mein Köper hat mittlerweile so eine gut funktionierende innere Uhr, dass ich sowieso um 5 Uhr morgens aufwache. Blöd ist das nur, wenn ich reise – denn selbst dann wache ich um 5 Uhr morgens auf, allerdings nach New York Zeit. So kommt es schon mal vor, dass ich in einem Hotel in Europa sitze und zu einer unmöglichen Zeit schlafen möchte und wach werde.

LM: Wie bist du eigentlich Personal Trainer geworden? Warst du schon immer so interessiert an Sport?
DK: Ich war schon immer interessiert an Fitness und dem eigenen Wohlbefinden, aber wusste natürlich lange nicht, welchen Weg das alles gehen würde. Ich habe Jura studiert und habe sogar als Anwalt gearbeitet, das wissen viele ja gar nicht. Es war auch sehr spannend und ich habe meine Arbeit gemocht, aber ich habe nie wirklich eine Leidenschaft dafür entwickelt. Irgendwie wollte ich schon immer unterrichten.
Witzigerweise hat meine Tochter Emilia erst gestern Abend am Tisch gesagt: „Daddy, ich möchte Lehrerin werden“ und erzählte mir, dass sie gerne Spanisch unterrichten würde. Was ich damit sagen möchte: Ich glaube manche Menschen haben einfach die Gabe, anderen Menschen etwas auf einfache und gute Art und Weise beizubringen und ich sehe schon jetzt, wie meine Tochter versucht anderen etwas zu erklären.
Das soll nicht heißen, dass solche Menschen irgendwie „besser“ sind als andere, nur weil sie ihnen was beibringen, überhaupt nicht. Aber ich denke, dass jeder Mensch besondere Talente hat, die seinen Mitmenschen von Nutzen sein können, insofern er diese Talente entfaltet. Irgendwann entdeckte ich also, dass ich das Talent habe, Menschen mitzuziehen und für Sport zu begeistern, also habe ich diesen Weg verfolgt.

 In den 80ern gab es noch kaum Personal Trainer, das war sicherlich ein Vorteil für mich. Bodybuilding war zwar ein großes Thema, aber die allgemeine Fitness für jedermann noch nicht so wirklich. Daraus ein Business zu machen und damit meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, war eine große Herausforderung, denn nicht viele haben an dieses Business geglaubt – aber es hat glücklicherweise geklappt, immerhin habe ich fünf Bücher und unzählige DVDs heraus gegeben, habe die Menschen in TV Shows für Fitness begeistert oder mache jetzt eben das neue Cyber Trainig für McFIT in Deutschland. Dass das alles so kommen würde, hätte ich vor 25 Jahren nie geahnt.

LM: Und deine Augen leuchten immer noch, wenn du jetzt davon erzählst.
DK: Ja, weil ich jeden Tag meines Lebens liebe. Es ist 12 Uhr mittags, wir sitzen in der brütenden Hitze, drehen schon seit Stunden und ich habe noch Stunden vor mir. Trotzdem liebe ich jede Sekunde, denn mir geht es gut und das ist ein Privileg.

LM: Wahrscheinlich hat es deshalb so gut geklappt mit deiner Karriere, weil du so leidenschaftlich an die Sache heran gehst.
DK: Ich denke, Leidenschaft für die Sache ist genau die Zutat, die den meisten Menschen zum Erfolg fehlt. Es unterscheidet die guten Leute von den richtig guten Leuten. Ich habe das alles nicht gemacht, um Erfolg zu haben, sondern weil ich mit Leidenschaft dabei war. Dann ist es auch egal, ob es um Sport oder Mode oder sonst was geht: Wenn etwas richtig ist, fühlt es sich auch richtig an. Wenn es sich nicht gut anfühlt, ist es vielleicht auch nicht das, was man machen sollte.

LM: Sport und Ernähung sind ja momentan sehr große Lifestyle Themen, für die sich mehr und mehr Leute interessieren. Wieso glaubst du, erleben diese Themen gerade so einen Boom und Menschen werden darauf aufmerksam?
DK: Ich denke, dass Sport und Ernähung schon immer wichtig waren, aber du hast schon Recht, dass seit einigen wenigen Jahren der Fokus sehr darauf gelegt werden. Witzigerweise habe ich bereits 2001 mein Buch „Sound Mind Sound Body“ heraus gebracht, in dem ich schrieb, dass die Basis zum inneren guten Gefühl aus Folgendem besteht: Körper und Geist zu verbinden, Fitness und/oder Wohlbefinden in deinen Alltag zu integrieren – sei es mit dem Hund Gassi zu gehen oder die Treppen statt den Aufzug zu nehmen – und als letzten Punkt bewusst und gesund zu essen. Diese drei Sachen zusammen genommen sorgen für ein gesundes und gutes Wohlbefinden. Es geht nicht nur darum, schlanke Beine zu haben, die in Skinny Jeans gut aussehen, oder definierte Arme oder sonst was. Es geht darum, alles miteinander zu verbinden! Was viele bis heute nicht verstehen ist: Man sieht dann gut aus, wenn man dem Körper Gutes tut. Zu trainieren und schlecht zu essen ist daher nicht der richtige Weg. Ebenso wenig gut zu essen und sich nicht zu bewegen.

LM: Wieso glaubst du können viele was Sport angeht nicht ihren inneren Schweinehund überwinden?
DK: Ich denke, dass viele Leute nicht verinnerlichen, dass Sport nicht nur dafür da ist, Gewicht zu verlieren oder eben definierte Arme zu bekommen, die in einem Kleid toll aussehen. Sport ist wichtig, um sich selbst besser zu fühlen. Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig, um sich besser zu fühlen. Und ein offener Geist, der dies versteht und auf seinen Köper Acht geben möchte, ist wichtig, um sich besser zu fühlen. Die Menschen wollen oft nur eine schöne Schale haben, hören aber nicht in sich hinein. Wenn sie das tun würden, wäre ihnen schnell klar, dass ihr Körper nach acht Stunden auf dem Bürostuhl regelrecht nach ein wenig Ausgleich schreit.

LM: Also glaubst du, dass es nie eine Entschuldigung gibt, keinen Sport zu machen?
DK: Ich glaube nicht an Ausreden, also nein. Wenn du mit Grippe im Bett liegst, braucht dein Körper Schonung. Ansonsten braucht dein Körper Bewegung. Sobald man Sport als Ritual in seinen Alltag eingebaut hat – wie das Zähneputzen oder die Tasse Kaffee – ist es das Normalste der Welt.

LM: Denkst du denn, Fitnessstudios sind hierfür geeigneter als das Training alleine Zuhause?
DK: Ich denke schon, dass Fitnessstudios einen leichter motivieren. Natürlich ist der Weg dahin für viele schon schwierig und eine Hürde, aber zum Supermarkt geht man ja auch, wenn man nichts mehr im Kühlschrank hat. Das meinte ich damit, dass man Sport als etwas „Normales“ in den Alltag einbauen muss. Sobald man dann im Studio ist, wird man durch die anderen Leute oder auch die Trainer einfacher motiviert als Zuhause. Immerhin stehen um dich herum auch andere Frauen, die schwitzen und sich abrackern – das motiviert! Ich glaube wenn man Zuhause ist, schaut ja keiner hin und dann ist es einfach, nichts zu machen. Aber natürlich muss das jeder für sich selbst heraus finden. Die Hauptsache bleibt weiterhin, dass man überhaupt etwas tut!

LM: Jeder weiß ja, dass du wohl alle schönsten Supermodels der Welt trainiert hast. Gibt es da einen Unterschied im Training zu den – sage ich mal – „normalen“ Frauen?
DK: Überhaupt nicht. Jeder Körper trägt die gleichen Muskeln in sich und die gleichen Knochen. Natürlich hat jede Person andere Problemzonen und fokussiert sich beim Training auf andere Dinge, aber auch die Models werden von mir genauso hart beim Training ran genommen wie alle anderen auch. Training ist Training.

LM: Okay, du hast Bücher und DVDs heraus gebracht, hast ungefähr jeden Promi Hollywoods trainiert und bist immer noch so energiegeladen wie am ersten Tag. Was können wir in Zukunft von dir erwarten?
DK (lacht): Sicherlich von all dem Genannten nochmal mehr! Was genau kommen wird, kann ich nicht sagen, aber ich werde weiterhin mein Mantra verfolgen, dass alles für jeden Menschen gut ist, das ihn sich besser fühlen lässt.

LM: Als letzte Frage stelle ich immer die gleiche: Welche Frage wurde dir noch nie im Interview gestellt und du fragst dich, wieso sich keiner dafür interessiert?
DK: Puh, das ist gar nicht so einfach, immerhin wurde ich über die 25 Jahre hinweg schon sehr viel interviewt und eigentlich wurde bisher glaube ich alles gefragt. Über mein Privatleben wird nicht viel gefragt, trotzdem weiß man mittlerweile, dass ich zwei Töchter habe. Was wohl keiner weiß: Ich bin alleinerziehender Vater, war nie verheiratet. Also, ihr lieben Leser: Ich bin Single und zu haben! Ich bin in guter Kondition und habe zwei wundervolle Töchter!

LM: Das kommt auf jeden Fall in den Artikel, vielleicht meldet sich ja jemand und du findest die Liebe!
DK (lacht): Was ich über die Jahre gelernt habe ist: Alles ist möglich!

In diesem Sinne: Danke an David Kirsch für ein Interview, dass auch in mir die Motivation wiedererweckt hat, noch mehr auf meine Fitness und Ernährung zu achten und danach zu streben, mich selbst besser zu fühlen und meinem Köper Gutes zu tun.