Interview with Berlin designer Hien Le

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Read my interview with Hien Le from August 2013 for LesMads.de

Nicht nur bei mir, sondern auch bei euch kam die Spring/Summer 2014 Kollektion von Hien Le am gestrigen Morgen gut an. Kein Wunder, war sie doch durch und durch stimmig und von seiner einzigartigen Handschrift geziert. Nach der Show traf ich Hien in der gemütlichen Westwing Lounge innerhalb des Fashion Week Zelts zum Interview und plauderte mit ihm genüsslich über dies und jenes. Aber lest selbst…


LM: Erstmal herzlichen Glückwunsch zur gelungenen Show! Was ist das für ein Gefühl, auf der Fashion Week eröffnen zu dürfen? 
HL: Zu eröffnen ist auf jeden Fall etwas besonderes, obwohl jede Show etwas besonderes ist. Mir war das anfänglich erst gar nicht so bewusst. Erst als alle gefragt haben, wie das wohl so ist, zu eröffnen. Man bekommt ja wirklich viel Aufmerksamkeit dadurch.
LM: Du bist ja für viele Journalisten eine der Lieblinge der Berlin Fashion Week. Baut das denn noch mehr Druck auf?
HL: Ich denke, dass ich den sowieso innerlich hätte. Man hat diesen inneren Ehrgeiz, sich stetig verbessern zu wollen und ich denke, das habe ich auch unabhängig von Kritik und Lob.
LM: Du zeigst ja Männer- und Frauenkleidung. Hast du denn eine leichte Präferenz für eines von beiden?
HL: Also ich habe ja mit einer reinen Frauenkollektion angefangen und zum Ende des Studiums habe ich Gefallen an Männerkleidung gefunden. Ab da war klar, dass ich auf jeden Fall immer beides zeigen möchte. Wenn ich entwerfe, entstehen die Ideen im Kopf auch parallel für beide, Männer und Frauen. Habe ich also ein Teil für Frauen gedanklich vor mir, gibt es da immer noch das Männer-Pendant und umgekehrt auch. Wichtig ist für mich aber, dass alles eine Kollektion ist und man das auch sieht, indem zum Beispiel die gleichen Stoffe benutzt werden.
LM: Ist es denn ein großer Unterschied für dich, ob du eine Winter- oder Sommerkollektion entwirfst? 
HL: Früher habe ich Sommer definitiv lieber gemacht, weil es einfach luftiger und leichter ist. Aber mittlerweile habe ich auch sehr viel Gefallen an Winterkollektionen gefunden. Sicherlich ist der Unterschied aber groß. Im Sommer kann man sich mehr ausleben und hat schneller die Looks parat, denn ein Kleid ist ja oft schon ein Look. Für den Winter ist das natürlich schwieriger, weil man da einfach mehr Teile braucht. Vor allem Jacken und Mäntel spielen da ja eine große Rolle und die sind sehr aufwendig.
LM: Lass uns über die Spring/Summer 2014 Kollektion reden, die wir gesehen haben!
HL: Die Inspiration für den Print war eine Libelle, die wir komplett zu verfremden versucht haben. Das heißt wir haben einzelne Teile eines Libellenflügels transformiert und so lange gedreht bis es uns gefallen hat. Ich glaube jetzt ist es so, dass man schon den Libellenflügel erkennt, aber auf den ersten Blick eben nur Grüntöne sieht. Die Farben sind von naturgegebenen Bildern inspiriert, aber nicht in dem Sinne wie wir sie kennen. In der Natur ist es ja so, dass wir zum Beispiel meistens Grün sehen, wenn wir ein Bild von einem Wald sehen. Aber dann gibt es eben auch Bilder, auf denen das Grün in Braun oder Rottöne übergeht und solche Bilder waren eben die farbliche Inspiration für die Kollektion.

LM: Du bist ja immer sehr clean mit deinem Look. Woher kommt das? Magst du keine Verspieltheit?
HL: Ich glaube ich bin einfach nicht der Typ dafür, aber probiere dann eben andere Sachen aus. Seit drei Saisons experimentieren wir ja mit Prints und für uns ist das der Blickfang. Von den Schnitten bleibt es aber dann doch sleek und clean.
LM: Die Prints hast du ja jetzt auch seit drei Saisons erst. Kann es also auch sein, dass du deine Meinung änderst und bald Schwarz zeigst?
HL: Das kann schon sein. Ich trage ja selbst gerne Schwarz. Es ist bestimmt auch eine der Farben, die sich am besten verkaufen lässt. Ich glaube aber ich bin noch nicht bereit für Schwarz in meinen Kollektionen. Komischerweise habe ich schon anfangs Entwürfe in Schwarz in meinem Kopf und wenn ich auf die Stoffmessen gehe, ziehen mich schwarze Stoffe am meisten an. Jedes Teil, das ich designe, ist anfangs in meinem Kopf schwarz. Aber je mehr ich im Kreativprozess drin stecke, verblasst alles und die Farbe kommt hoch. Außerdem gibt es so viele andere großartige Designer, die mit Schwarz umgehen können, daher überlasse ich das einfach noch denen.
LM: Wo ziehst du eigentlich deine Inspiration her?
HL: Von überall. Ich denke als kreativer Mensch läuft man einfach mit offenen Ohren und Augen durch die Welt und saugt ganz viele Sachen auf. Wenn mir von all diesen Sachen etwas im Kopf hängen bleibt, fange ich an darüber nachzudenken und das könnte dann ein Thema für die nächste Kollektion werden.
LM: Das heißt bei dir ist das alles ein langer Designprozess und du hast nicht manchmal einfach schon das fertige Bild im Kopf, wie ein Look auszusehen hat?
HL: Nein, das ist schon ein langer Prozess bei mir. Wenn ich zum Beispiel eine Farbe im Kopf habe, baue ich darauf das ganze Farbkonzept auf, dann kommt das Stoffkonzept, dann wird beides zusammen gefügt und dann wird angefangen zu designen. Später wird dann zugeordnet, welches Teil aus welchem Stoff sein soll. Und am Ende werden dann doch noch Teile herausgeschmissen aus der Kollektion oder irgendwas wird umdisponiert.
LM: Was ist denn dein Zukunftswunsch? 
HL: Klar, wie sicherlich jeder würde ich auch gerne in einer anderen Stadt zeigen, aber das ist glaube ich noch ein kleiner Weg bis dahin. Mailand, Paris, New York wäre schon toll und dann vielleicht in sieben, acht Jahren der erste eigene Flagship Store, das wäre wirklich super.
LM: Als letzte Frage, stelle ich meinen Interviewpartnern immer die gleiche Frage. Was wurdest du noch nie im Interview gefragt, aber du wünschtest dir, jemand würde sich dafür interessieren und dich danach fragen?
HL: Hm, schwierig. Es ist schon so, dass meistens die gleichen Fragen kommen. Aber zum Thema Film oder Musik befragt mich zum Beispiel keiner.
LM: Na Janet Jackson auszuwählen als musikalischen Einstieg für deine Show ist auf jeden Fall gelungen. Ich habe noch die Original-CD von That’s The Way Love Goes zuhause liegen.
HL: (lacht) Das ist ja super! Mit Janet Jackson bin ich quasi groß geworden, aber es kommt ständig so viel Neues, dass man das vergisst. Sie ist aber irgendwie hängen geblieben und dann hat der Song zur Mood gepasst und deshalb habe ich es für die Show ausgewählt.
LM: Und was ist denn dein Lieblingsfilm?
HL: Ich denke das wäre „Die Träumer“. Ich habe den damals im Kino gesehen und fand dein einfach gut. Auch nach mehrmaligem Ansehen finde ich ihn auch immer noch toll und bin noch nicht gelangweilt.
LM: Lieber Hien, ich danke dir für das tolle, ausführliche Interview und gratuliere nochmals zur Show!