Cloudy’s Column: Home is where your sweatpants are

sweatpants
A column on sweatpants.
Das Klingeln des Weckers reißt einen unsanft aus dem Schlaf, auf dem Weg zur Arbeit entscheidet sich der Kaffe vom Becher auf die Bluse zu hopsen, die Strumpfhose läuft in offenen Maschen das Bein hoch, auf dem Schreibtisch stapeln sich ächzende Berge an Aufgaben, neonfarbene Post-Its lachen einen hämisch an, das schnell verschlungene Mittagessen liegt schwer im Magen, zum Fresskoma gesellen sich weitere Aufgaben, ohne dass man es merkt wird es draußen hell und wieder dunkel während man mit Quadrataugen vor dem Bildschirm sitzt, nach Feierabend wollen ellenlange Einkaufs-To-Do-Listen abgehakt werden, mit dem Auto schiebt man sich zwischen Blechkolonnen durch den Feierabendverkehr, in jeder Hand zwei Einkaufskörbe hetzt man die Treppen hoch und öffnet die Tür mit dem Schlüssel zwischen den Zähnen, stopft die gähnende Leere des Kühlschranks mit Frischfleisch und zieht sich die Schuhe von den schmerzenden Füßen. Dann atmet man tief durch und weiß man ist nach all den Hürden des Alltags am Ruhepol angekommen – man ist Zuhause.
An Tagen wie diesen befriedigt mich wohl nichts so sehr, als mich Zuhause aus meiner Kleidung zu schälen und mich voller Freude in meine Gammelklamotten zu werfen. Ich gehöre zu der Kategorie Mensch, die in den eigenen vier Wänden keine Straßenschuhe trägt und im Schrank Extrafächer für die Wohlfühlklamotten reserviert hält. Das Gefühl in die geliebte, weite, bequeme Jogginghose zu schlüpfen lässt sich mit wahren Worten nicht beschreiben, außer einem seufzenden, erleichtertenAhhhhhh! Der Tag ist geschafft und man hat sich die Bequemlichkeit verdient. Für mich erreicht man diese nur durch warme Gammelklamotte. Wer besonders fancy sein möchte, kann dies auch gerne als Homewear oder Heimchenoutfit bezeichnen. Worte werden hier gleichgültig, da das Gefühl der Entspannung zählt. Jogginghosen sind für mich der Inbegriff der ultimativen Gemütlichkeit. Nichts drückt, nichts spannt, nichts engt ein. Mein Unterköper kann ganz so frei sein, wie es sich mein ganzer Körper wünscht seitdem er morgens in das Straßenoutfit gezwängt wurde. Jegliche Sofapositionen können problemlos eingenommen werden, ohne das was zwickt, kneift oder quetscht. Wie durch jogginghosige Zauberhand scheint auf einmal alles bequemer: Putzen, Kochen, Aufräumen, Fernseh schauen, Emails beantworten und Blumen gießen. Nach einem anstrengenden Tag ist es meine Jogginghose, die mich umarmt, mich sich Zuhause fühlen lässt und es mir bequem macht. Nun sitze ich hier, mit ihr – grau ist sie, ausgewaschen, die Bündchen am Knöchel ausgeleiert und Beulen zeichnen sich am Kniebereich ab. Meine Jogginghose ist eine alte Dame, aber sie weiß immer noch ganz genau was ich Zuhause brauche: Ich möchte mich wohl fühlen – und mit ihr kann ich das.
Nachdem ich also lange Jahre fasziniert von meinem Mitmenschen war, die beim Spontanbesuch perfekt gestylt mit Straßenschuhen die Tür öffneten und mich danach immer ein schwaches Neidgefühl beschlich, dass diese Menschen wie es schein diszipliniert genug waren sich auch in den heimischen vier Wänden nicht gehen zu lassen, so drehte sich heute das Blatt und ich weiß, dass Faszination und Bewunderung hier fehl am Platze ist. Denn meine Jogginghose und ich haben diesen Menschen eines voraus: Die ultimative Bequemlichkeit.
“If you can’t handle a girl in sweatpants, 
you sure don’t deserve her in a wedding dress.” 
(source unknown)