Cloudy’s Column: Welcome to smiley world!

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A column on the overuse of smileys.
Gerne würde ich die Behauptung aufstellen ein friedliebender Mensch zu sein und auch ein gesundes Maß an Humor zu besitzen. Grundsätzlich führe ich ein sehr ausgeglichenes Dasein als Chillerqueen und verbringe täglich definitiv mehr Stunden mit Lachen als mit dem Runzeln meiner Stirn. Außer…ja außer kleine, gelbe, kreisrunde Dinger springen in mein Blickfeld und hüpfen dort womöglich auch noch animiert auf und ab. Dann sträuben sich bei mir die Nackenhaare und selbst der kindlichste Humor hat keine Lust mehr zu spielen.
Die Rede ist von Smileys - eben diesen kleinen, gelben, kreisrunden Dingern, die vor meinen Augäpfeln auf und ab hüpfen als gäbe es kein Morgen mehr und als wäre die Welt eine einzige kleine, gelbe, kreisrunde, auf und ab hüpfende Scheibe. Für diejenigen, bei denen sich genau jetzt tiefe Runzeln auf der Stirn breit machen: Nein, die Welt ist keine kleine, gelbe, kreisrunde, auf und ab hüpfende Scheibe und wurde bisher auch noch nicht von Smileys erobert – jedenfalls noch nicht.
In digitalen Hochzeiten wie diesen wird täglich gesimst, gechattet und gemailt bis die Finger brechen. Stundenlang sitzen wir vor dem flimmernden Bildschirm, bevor wir abends zum Abschalten den anderen Flimmerkasten einschalten. Wir sind zu digitalen Früchtchen mutiert, die den Sims in nichts mehr nachstehen. Digital ist da, digital ist geil, digital ist jetzt – ich weiß, ich weiß. Während ich es verkrafte bei SMS- und Chat- … äh … – Konversationen diesen hämisch dauergrinsenden digitalen Dingern ausgesetzt zu sein und sie zugegeben selbst verwende, verstehe ich es nicht, dass mich sogenannte selbsternannte Autoren, Journalisten und Schreiberlinge aller Art in ihren Texten mit eben diesen Dingern konfrontieren und dann auch noch allen Ernstes von mir erwarten, dass ich ihre Schreibe ernst nehme.
Für diejenigen, bei denen sich genau jetzt erneut tiefe Runzeln auf der Stirn breit machen: Nein, ich nehme Texte mit Smileys nicht ernst. Call me Spießer, call me whatever, I don’t care. Jeder Schreiberling, der nach mühsamer Gehirnarbeit einen Text verfasst, ihn mit Smileys bespickt wie die Nähtante Hochzeitskleider mit Perlen, den Text anschließend veröffentlicht und erwartet, dass dieser gelesen wird und womöglich noch positives Feedback erhält - jeder dieser Schreiberlinge degradiert seine Arbeit mit Smileys selbst. Dabei spielt es für mich keine Rolle, ob der Text fünf Zeilen oder fünf Seiten lang ist, in einer Zeitschrift, auf einer professionell geführten Homepage oder einem privaten Blog veröffentlicht wird. Ein veröffentlichter Text für ein dem Schreiberling unbekanntes Publikum sollte eben dieses nicht durch saloppe Symbole der Umgangssprache beleidigen. Oder würdet ihr jeden fremdem Menschen auf der Straße gleich duzen? Eben.
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Meist werden Smileys gebraucht, um Emotionen zu vermitteln, welche die Worte allein nicht zu transportieren vermögen. Bevor man als Verfasser eines Textes allerdings jedes Satzzeichen durch einen Smiley ersetzt, sollte man sich fragen, ob man die Zeit nicht lieber nutzen könnte um an seinem Schreibstil und dessen Ausdruck zu arbeiten. Wer es nicht schafft beispielsweise Freude, Trauer, Witz und Ironie smileylos ausdrücken zu können, der sollte auch nicht darauf hoffen, jemals als Schreiberling mit seiner Arbeit ernst genommen zu werden und mit den Texten beim Leser Ausbrüche an Emotionen hervorzurufen.
Wahre Liebhaber der Sprache und des geschriebenen Wortes freuen sich in der Regel, dass ihre Texte gelesen werden und ein fremdes Publikum sich damit befasst, was das geschriebene Wort zu erzählen hat. Um also vom Leser respektiert zu werden, sollte man diesem mit eben demselben Respekt begegnen. Der erste Schritt hierzu ist wohl sich für den Leser Mühe zu geben und nicht der Einfachheit wegen jeden Satz mit Smileys vollzuspicken – und ich verspreche euch, die Mühe wird sich lohnen! Spätestens dann, wenn ihr in einem realen Gespräch bei einer Tasse Kaffee dem Gegenüber eure Gefühle erklären müsst und keinen Smiley zur Hand habt.