Cloudy’s Column: Eigentlich einfach.

neuesjahr

A column on New Year wishes and why they are pretty much nonsense. 

So, das ist er nun. Der erste Post im neuen Jahr. Eigentlich sollte das hier wohl ein besonders cooler herausstechender Post sein, mit einem besonders coolen Outfit, das von einer Spiegelreflex eingefangen wurde, und einem besonders lustigen Text, der euch alle die Pipi in die Augen treibt. Eigentlich ist es aber so, dass ich immer noch die wahrscheinlich einzige Bloggerin ohne tolle Canon-Spiegelreflex bin, weil ich meine Kohle lieber für Klamotten, Reisen, Bücher und das Leben an sich ausgebe.

Eigentlich ist es zudem so, dass ich mich die nächsten sechs Wochen nur um meine Magisteranmeldung kümmern werde – ergo no shopping, no partying, no anything. Eigentlich bin ich Klamotte-mäßig sowieso gerade bedient, seitdem ich vorgestern rausgefunden habe, dass ich nach zwei Jahren endlich wieder in meine Lieblingsjeans rein passe und eigentlich möchte ich die nächsten zwei Jahre und kein anderes Kleidungsstück tragen. Eigentlich ist es zudem so, dass mich gerade vor allem eine Frage beschäftigt: Wie lange wünscht man denn ein “frohes Neues”? Und wem wünscht man das alles, auch fremden Bekannten? Ich muss zugeben, dass ich dieses Sprüchlein sowieso nie mochte. Meistens kommt doch sowieso nur ein genuscheltes “Frooohsnoiiis”dabei heraus und eigentlich sagt es auch wirklich gar nichts aus. Noch schlimmer sind dann die Leute, die dir auf die Schulter klopfen und fragen, was denn deine Neujahrsvorsätze sind. Faselt man dann was von rauchen aufhören, weniger Alkohol trinken, mehr Sport machen, gesünder essen und mehr Zeit für Freunde und Family haben, grinsen sie ihr Dauerhonigkuchenpferdgrinsen und klopfen dir weiter auf der Schulter rum –  nur um dir damit zu sagen, dass sie solche Vorsätze nicht brauchen, denn sie leben bereits rauchfrei, erleben Alkohol als Genussmittel, rennen alle Halbjahr’ den Marathon und kaufen nur bei Alnatura ein, um jeden zweiten Abend ein perfektes Dinner aus garantiert ökologischem Anbau für die streitfreie Familie oder den vorzeigbaren Freundeskreis zu arrangieren. Noch stranger finde ich dann die Menschen, die kurz vor Mitternacht der wildfremden Kassiererin im Rewe ein frohes Neues wünschen. Wenn das die Regel ist, müsste ich ab sofort jedem Menschen, der mir auf der Heidelberger Hauptstraße entgegenkommt, das Sprüchlein ins Gesicht murmeln. Wäre ich besonders nett, würde ich zudem das ganze noch fließend in dreißig Sprachen runterrattern können, damit auch die japanischen, chinesischen, spanischen, italienischen, russischen, namibianischen, schwedischen und bayrischen Touristen meinen Segen für das super mega tolle neue Jahr bekommen. Eigentlich ist mir das Gefasel einfach zu anstrengend und eigentlich ist die ganze Sache doch total einfach: Das neue Jahr ist bereits da und im vollen Gange. Jetzt und hier. Also hört auf euch Sachen ins Gesicht zu nuscheln, eure Mitmenschen mit tollen Vorsätzen beeindrucken zu wollen und fangt einfach an, das neue Jahr zu leben. Jetzt und hier. Ist doch eigentlich ganz einfach, oder? Froooohsnooooiiiiis, Kinnas!